{"id":366,"date":"2020-07-29T08:11:06","date_gmt":"2020-07-29T08:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.made-by-doreen.de\/?p=366"},"modified":"2020-12-28T20:22:00","modified_gmt":"2020-12-28T20:22:00","slug":"der-duden-ignoriert-gebraeuchliche-woerter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.made-by-doreen.de\/?p=366","title":{"rendered":"Der Duden ignoriert gebr\u00e4uchliche W\u00f6rter"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich stolpere stets \u00fcber W\u00f6rter, welche nach einiger Zeit\n\u00fcber den deutschen Sprachgebrauch eine breite Verwendung finden. Hierbei ist\nmir aufgefallen, dass sie unterschiedliche Schreibweisen annehmen, aus\nFremdsprachen stammen und eine \u00e4hnliche bzw. neue Bedeutung annehmen, mehrere\nArtikel aufweisen oder schlichtweg nicht im Duden zu finden sind. Deshalb habe\nich einen kleinen Test gemacht, um herauszufinden, weshalb dies so ist bzw. aus\nwelchem Grund das eine oder andere Wort weniger bis eher selten verwendet wird.\nUnd vor allem wollte ich wissen, ob es W\u00f6rter gibt, die vielfach in unserem\nAlltag zu lesen und zu h\u00f6ren sind, aber dennoch nicht im Duden stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Favoriten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In meinem Experiment anhand der Dudenausgabe in der 27.\nAuflage begann ich mit der Vor\u00fcberlegung zu verschiedenen Untersuchungsschwerpunkten.\nZuerst nahm ich mir die rein deutschsprachigen W\u00f6rter vor. Mich interessierten\nhier jene, die mir in den letzten Monaten oft \u00fcber den Weg gelaufen waren.\nDarunter sind unter anderem Kundenbewertung (stammt aus dem Marketingbereich),\nDu-Kultur bzw. Duz-Kultur (kommt aus der Berufswelt), Buchbranche und\nLiteraturveranstaltung gewesen. Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass\ndiese Substantive nicht im Duden zu finden sind. Besonders bei der Buchbranche\nist diese Tatsache f\u00fcr mich unverst\u00e4ndlich, denn es gibt sie schon einige\nJahrhunderte. Interessehalber suchte ich im Duden noch nach Namen anderer\nBranchen, wie Automobilbranche, Bankenbranche, Gesundheitsbranche usw. Die\nTourismusbranche und die Lebensmittelbranche waren meine beiden Treffer. Bei\nletzterem Begriff war dies f\u00fcr mich ebenso wenig nachvollziehbar, da sie seit\nJahrzehnten als Lebensmittelindustrie in der deutschen Sprache eine feste\nVerwendung gefunden hat. Hier stellt sich mir die berechtigte Frage, welche\nW\u00f6rter im Duden stehen d\u00fcrfen und welche nicht? Und nach welchen\nAuswahlkriterien dies erfolgt?<\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem Duden wird \u00fcber die Redaktion des Dudenverlages ein\nAllgemeinwortschatz erfasst. Darunter fallen Erb-, Lehn und Fremdw\u00f6rter sowie\nregional wie umgangssprachlich verbreitete Begriffe und Fachw\u00f6rter nebst\nEigennamen und Abk\u00fcrzungen. Bei Aufnahmen in eine neue Ausgabe des\nNachschlagewerkes, werden Zeitungen, Romane und Sachtexte herangezogen, aus\ndenen die H\u00e4ufigkeit und die Verbreitung von W\u00f6rtern ermittelt wird. Dabei\nwerden die Schreibweise und grammatische Besonderheiten ber\u00fccksichtigt. Und\nW\u00f6rter, die nicht im Duden stehen sind auch weniger gebr\u00e4uchlich bzw. es gibt\nsie nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies l\u00e4sst schlie\u00dfen, dass eher die verschriftlichte Sprache\nnach Neuaufnahmen untersucht wird. M\u00fcndliche Begrifflichkeiten werden eher\nausgeklammert. Doch wenn ein Wort vermehrt niedergeschrieben wurde, hei\u00dft das\nmeiner Ansicht nach noch lange nicht, dass es auch richtig geschrieben und mit\nder korrekten Grammatik angewendet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stolpersteine<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser Erkenntnis direkt aus dem Duden wandte ich mich\nden weniger h\u00e4ufig verwendeten W\u00f6rtern zu, deren verschiedenartige\nSchreibweise, dennoch dasselbe aussagt. Wie unter anderem Berichtwesen oder\nBerichtswesen (aus der Informatik), Personalmarketing oder\nPersonalmarketingma\u00dfnahmen sowie Top-Arbeitgeber oder Toparbeitgeber und\nTop-Weiterbildung oder Topweiterbildung. Das Resultat auch hier: Fehlanzeige,\nnicht im Duden nachzulesen! Ich m\u00f6chte m\u00f6glichst eindeutig wissen, ob ich\nBerichtwesen mit einem oder ohne einem s zwischen den beiden zusammengesetzten\nSubstantiven zu schreiben habe oder ob es beide W\u00f6rter in unterschiedlichen\nKontexten gibt. Zudem w\u00e4re es hilfreich zu verstehen, ob ich auf der Grundlage\nvon topqualifiziert, das im Duden nachzulesen ist, vorrangig eine Schreibweise\nohne Bindestrich erforderlich macht bzw. die Wortverbindungen mit Bindestrich\nebenso in der deutschen Rechtschreibung angewendet werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus einer Sprache\noder eine Mischsprache<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leider ist dies nicht das Ende der Liste an W\u00f6rtern, die\nnicht im Duden stehen. Ich habe mir die fremdsprachlichen und\ngemischtsprachlichen Begrifflichkeiten vorgenommen. Entweder stammen sie aus\nanderen Sprachen, wie zum Beispiel Marketing Manager, der wie andere englische\nStellenbezeichnungen immer mehr in deutschen Stellentiteln zu lesen ist. Oder\nsie werden aus mindestens zwei Sprachen neu zusammengesetzt, wie Caf\u00e9bar oder\nCoffeebar. Beide leider auch nicht im Duden nachzuschlagen, jedoch findet sich Coffeebar\nim Onlineduden unter dem Punkt \u201eSchreibung von zusammengesetzten Substantiven\u201c\nund wird hier ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt nicht in Coffee Bar getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fremdw\u00f6rter wie du jour (aus der franz\u00f6sischen Sprache),\nRetik\u00fcl, die Abk\u00fcrzung i. e. und sculpsit (aus der lateinischen Sprache) suchte\nich anschlie\u00dfend. Alle zu finden! Wow, welch ein Gl\u00fccksgef\u00fchl! Es steht mal was\nim Duden! Zu dem selten gebrauchten Begriff Retik\u00fcl aus der Modegeschichte wei\u00df\nich zuf\u00e4llig, dass es sich um eine kleine beutelartige Damenhandtasche f\u00fcrs\nHandgelenk handelt, die Ende des 18. Jahrhunderts aufkam. Und i. e. ist mir bisher\nein- bis zweimal unter die Augen gekommen und stellt zudem keine\ndeutschsprachige Abk\u00fcrzung dar, sondern steht f\u00fcr id est und hei\u00dft w\u00f6rtlich aus\ndem Lateinischen \u00fcbersetzt \u201ees ist\u201c. Meint also so viel wie \u201edies ist\u201c oder \u201edas\nhei\u00dft\u201c. Der kunstgeschichtliche Fachbegriff sculpsit ist der Zusatz f\u00fcr die\nStecher von Kupfer- oder Stahlstichen. Dieses Wort geh\u00f6rt f\u00fcr mich in ein\nFachw\u00f6rterbuch, aber nicht in den Duden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die l\u00e4ngsten W\u00f6rter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einen enorm wichtigen Fakt muss ich unbedingt noch loswerden,\nder leider in den letzten Jahren durch die Anwendung von Anglizismen immer mehr\nin den Hintergrund tritt. Die deutsche Sprache besitzt eine Besonderheit\ngegen\u00fcber anderen Sprachen: Das Zusammensetzten von Substantiven, solange sie\nmeiner Meinung nach auch ein sinnvolles Konstrukt ergeben, l\u00e4sst neue Nomen\nentstehen. Vor allem im m\u00fcndlichen Sprachgebrauch oder in der Umgangssprache,\naber auch im juristischen wie fachspezifischen Bereich geschieht dies h\u00e4ufiger\nals gedacht. Zudem sind hierbei verwendete Kopplungsstriche bei der Erfassung\ndes Wortsinnes oft von st\u00f6render Natur. Manchmal muss ich zwei- oder dreimal\nnachlesen, bevor ich genau wei\u00df, was \u00fcber die Kopplungen von Begriffen gemeint\nist. Seltener wird damit ein besseres Verst\u00e4ndnis vermittelt. Oft sind diese Wortsch\u00f6pfungen\nder Umgangssprache entnommen und f\u00fchren zu Recht langen unverst\u00e4ndlichen W\u00f6rtern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganz besonderes W\u00f6rtchen, das mir aus der Sendung mit\nder Maus im Ged\u00e4chtnis geblieben ist, ist die Gleisschotterbettungsreinigungsmaschine.\nEs stellt f\u00fcr mich den l\u00e4ngsten Begriff ohne Bindestrich dar! Die zehn l\u00e4ngsten\nW\u00f6rter auf Seite 152 im Duden kannte ich, bis ich sie gelesen hatte, nicht und\nergaben f\u00fcr mich oft kaum einen vern\u00fcnftigen Sinn. \u00dcbrigens habe ich mir\nerlaubt im Nachschlageteil nach ihnen zu suchen. Wie von mir vermutet, keines\nauszumachen und Nummer 4 ist auch nur Kauderwelsch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eindeutig? Nein, Zweideutig!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und zum Schluss noch etwas, was mir in Gespr\u00e4chen mit meinen\nMitmenschen oder in unterschiedlichen Textsorten bewusst geworden ist. Manchen aus\nFremdsprachen entlehnte g\u00e4ngige Substantive wird ein anderer Artikel\nvorangestellt. Cola oder Ketchup sind in meinem Sprachgebrauch mit \u201edie Cola\u201c\nund \u201eder Ketchup\u201c vertreten. Leider aus dem Englischen stammend, kann man diese\nauch mit dem Artikel \u201edas\u201c in Verbindung setzen. Klingt in meinen Ohren und in\nmeinem Kopf aber sehr seltsam.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Test hat gezeigt, dass es f\u00fcr mich als Buchwissenschaftlerin und Lektorin beim Schreiben oder bei der Korrektur von Texten essentiell ist, im Duden zahlreiche W\u00f6rter mit der richtigen Schreibweise und dem angemessenen grammatikalischen Gebrauch nachlesen zu k\u00f6nnen. Auch wenn einige Begriffe dort nicht stehen, ist es von enormer Bedeutung, an einer korrekten Schreibung festzuhalten und die verschriftlichte Sprache vor einer Verrohung zu bewahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stolpere stets \u00fcber W\u00f6rter, welche nach einiger Zeit \u00fcber den deutschen Sprachgebrauch eine breite Verwendung finden. Hierbei ist mir aufgefallen, dass sie unterschiedliche Schreibweisen annehmen, aus Fremdsprachen stammen und eine \u00e4hnliche bzw. neue Bedeutung annehmen, mehrere Artikel aufweisen oder schlichtweg nicht im Duden zu finden sind. 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