{"id":894,"date":"2026-04-30T21:12:37","date_gmt":"2026-04-30T21:12:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.made-by-doreen.de\/?p=894"},"modified":"2026-05-14T04:15:29","modified_gmt":"2026-05-14T04:15:29","slug":"silent-reading-gemeinsam-lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.made-by-doreen.de\/?p=894","title":{"rendered":"Silent Reading &#8211; Gemeinsam lesen"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Seit einiger Zeit erfreuen sich literarische Veranstaltungen zum gemeinsamen Lesen gro\u00dfer Beliebtheit. Dahinter steckt die <strong>Freude am Lesen<\/strong> in Gesellschaft mit anderen B\u00fccherfreunden. Beim Silent Reading liest man nicht laut seinen Text anderen Mitlesern vor, sondern man trifft sich f\u00fcr eine bestimmte Zeit an einem Ort in einer Gruppe von Gleichgesinnten, die <strong>leise miteinander verschiedene B\u00fccher bzw. Genres lesen<\/strong>. Diese Art von Literaturevents erm\u00f6glichen es, Zeit f\u00fcr das Lesen zu haben, macht Lesen erlebbar und bringt Lesende miteinander in Kontakt.<\/p>\n\n\n\n<p>In unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen hat Silent Reading mehrere Gemeinsamkeiten. Zum einen finden die Teilnehmenden f\u00fcr eine gewisse Zeitspanne Ruhe f\u00fcr sich selbst mit dem Buch ihrer Wahl. Keine Gespr\u00e4che, die sie w\u00e4hrend des Lesens unterbrechen w\u00fcrden, keine im Hintergrund laufende Musik und kein st\u00f6rendes Handy, also keine Ablenkungen. Zum anderen k\u00f6nnen sich die Teilnehmenden auch \u00fcber das gerade Gelesene austauschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne den Text laut nachzusprechen oder die Lippen beim \u00dcberfliegen der Zeilen des Gelesenen zu bewegen, wurde diese Art des Lesens neben dem lauten Lesen bereits in der Antike praktiziert. In der Sp\u00e4tantike und <strong>im fr\u00fchen Christentum ist es \u00fcblich gewesen, dass man zwar leise liest, aber es wurde <\/strong><strong>\u00fcberwiegend <\/strong><strong>vorgelesen<\/strong>, so dass Zuh\u00f6rer ihre eigenen Gedanken mit dem Leser zu Textpassagen \u00fcber Fragen oder Diskussionen gemeinsam er\u00f6rtern konnten. Eine sehr in den Text vertiefte Leseform des leisen Lesens beschrieb im fr\u00fchen Christentum Augustinus von Hippo, der Ambrosius von Mailand beim stillen Lesen beobachtet hatte und f\u00fcr die Nachwelt seine Eindr\u00fccke schriftlich festgehalten hat. So bemerkte er, dass die R\u00e4ume von Ambrosius f\u00fcr andere zwar offen standen, aber Ambrosius teilte seine Gedanken weniger mit seinen Zuh\u00f6rern. Augustus war auch der Ansicht, dass Zuh\u00f6rer Ambrosius nicht beim stillen Lesen unterbrechen wollten, wor\u00fcber Augustinus selbst frustriert war, denn er war weniger in der Lage, sich mit Ambrosius durch Gespr\u00e4che und Nachfragen auszutauschen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das sp\u00e4te Mittelalter war das stille Lesen nicht mehr nur durch kirchliche Vertreter gekennzeichnet, auch Adelige haben sich mit einem Buch oder lesend an einem Tisch sitzend f\u00fcr die Nachwelt verewigen lassen. Mit der ersten Leserevolution <strong>im 18. Jahrhundert ging das stille Lesen \u00fcber die ansteigende Buchproduktion immer mehr in die Richtung, nicht nur wenige B\u00fccher intensiv zu lesen<\/strong>, sondern vermehrt viele B\u00fccher f\u00fcr sich zu konsumieren, was als extensives Lesen bezeichnet wird. Das stille Lesen wurde au\u00dferdem in der Malerei zum Thema gemacht, vor allem auch weil Frauen zunehmend mit einem Buch in der Hand portraitiert wurden. Hier\u00fcber wurde die gesellschaftliche Kritik mit Blick auf Frauen immer lauter, denn es war nicht so gern gesehen, dass Frauen gebildet und intellektuell oder von der Lesesucht betroffen sind. In der Gruppe zu lesen, hat Angelika Kaufmann in einer ihrer Arbeiten festgehalten, ist allerdings f\u00fcr diese Zeit selten. Das Lesen war nicht mehr nur den adeligen Kreisen vorbehalten, sondern immer mehr Menschen aus dem B\u00fcrgertum wurden in einem Gem\u00e4lde beim leisen Lesen von K\u00fcnstler abgebildet. Demnach wurden Leser im 19. Jahrhundert vielfach in gem\u00fctlicher Atmosph\u00e4re, mitunter auch in Bibliotheken, sitzend oder liegend auf bequemen Sitzm\u00f6beln in lesender Haltung gezeigt. Es f\u00e4llt auf, dass <strong>d<\/strong><strong>as stille Lesen eher allein vollzogen <\/strong><strong>wurde <\/strong><strong>und von privater Natur <\/strong><strong>war<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Allein und nur f\u00fcr sich zu lesen bricht seit den letzten Jahrzehnten immer mehr auf. junge Menschen vielfach weiblich, die gerne lesen und ihre Leidenschaft f\u00fcrs Lesen miteinander teilen, lesen gemeinsam verschiedene B\u00fccher oder auch in einem Buch. <strong>\u00dcber das Internet und die sozialen Medien haben es Leser in der modernen Zeit auch einfacher ihre Leseeindr\u00fccke mit anderen \u00fcber Blogbeitr\u00e4ge, Fotos und Videos zu teilen.<\/strong> Dar\u00fcber r\u00fccken die Leser wieder enger f\u00fcr einen kommunikativen Austausch \u00fcber die Kommentarfunktionen auf diversen Internetauftritten zusammen. Sich f\u00fcr gemeinsames leises Lesen extra zu verabreden, war die Idee von zwei Freunden in San Francisco im Jahr 2012, das bei vielen anderen Lesern Nachahmer in mehr als 20 L\u00e4ndern auf der ganzen Welt gefunden hat. So gibt es mittlerweile Buchclubs und Partys extra f\u00fcr Silent Reading, die die globale Gemeinschaft von Buchliebhabern verdeutlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prozess des stillen Lesens ist von sehr komplexer Natur, obwohl nur mit den Augen nach und nach \u00fcber die Zeilen gefahren wird. Die innere Lesestimme ist in einem selbst zu h\u00f6ren, es entsteht ein Kino im Kopf und oft werden \u00e4u\u00dfere Gegebenheiten, wie Ger\u00e4usche oder Bewegungen ausgeblendet. Man versinkt manchmal regelrecht in seinem Buch. Wird man abgelenkt oder unterbrochen, kann es etwas dauern, bis man die Stelle im Text wiedergefunden hat oder man liest gro\u00dfe Textpassagen oder l\u00e4ngere Abschnitte nochmal, damit man wieder in die Handlung oder das Thema des Textes findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend ist festzuhalten, dass beim <strong>Silent Reading<\/strong> der <strong>Austausch <\/strong><strong>\u00fcber Literatur<\/strong><strong> und das gesellige Beisammensein <\/strong><strong>von Lesern<\/strong> Antriebe der Bewegung sind. Obwohl man f\u00fcr sich liest, ist man <strong>beim Lesen nicht allein<\/strong>. Dem Alltag f\u00fcr eine gewisse Zeit zu entfliehen, um auf die Reise in eine Fantasiewelt zu gehen, sich intensiver mit einem interessanten Thema zu befassen oder einfach nur Zeit f\u00fcrs Lesen zu haben, sind die wichtigen Elemente beim Silent Reading mit anderen Lesern ins Gespr\u00e4ch zu kommen oder gute B\u00fccher anderen B\u00fccherfans zu empfehlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einiger Zeit erfreuen sich literarische Veranstaltungen zum gemeinsamen Lesen gro\u00dfer Beliebtheit. Dahinter steckt die Freude am Lesen in Gesellschaft mit anderen B\u00fccherfreunden. 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