Im Jahr 2023 wurden über 67.000 Bücher und 2024 sind nur noch mehr als 65.000 Buchtitel laut dem Börsenblatt herausgebracht. Da unter den Lesern etliche Vielleser sind, die in bestimmten Genres lesen, kann die Auswahl allein schon in einer Buchhandlung oder im digitalen Buchhandel dazu führen, dass man zu viele Bücher auch aufgrund der schönen äußeren Gestaltung haben und lesen möchte und auch kauft. Man möchte viele Titel unbedingt lesen, liest eventuell zu schnell den ersehnten einen Titel, aber man kann es nicht richtig genießen, da noch viele andere tolle Werke in einem Lesestapel warten. Ein Überkonsum an Büchern stellt sich schnell ein.
Im Februar 2026 hat die Bloggerin und Youtuberin Lena von expectobooktronum zum Überkonsum von Büchern Video auf Youtube veröffentlicht, um ihre Gedanken darüber zu äußern. Nicht nur ich habe mich mit meinen eigenen Lese- und Kaufgewohnheiten in dem einen oder anderem Blick auf die Thematik wiedergefunden, was sich in den Reaktionen auf ihr Video gezeigt hat. Deshalb habe ich Lena gefragt, ob sie noch etwas zum Bücherüberkonsum schreiben möchte. Lest nun in dem nachfolgenden Gastbeitrag von ihr, wie sie damit umgeht:
Überkonsum in der Buchbubble – und warum ich für mich regelmäßig einen Schritt zurückgehe
Hi, ich bin Lena, 34 Jahre alt, lebe in Berlin und blogge seit fast zehn Jahren über Bücher – auf meinem YouTube-Kanal expectobooktronum und auf meinem Blog. Mein Lesegeschmack? Der hat sich in alle Richtungen bewegt. Von dicken Fantasyreihen über Lovestorys bis hin zu Thrillern – ich war und bin überall unterwegs. Und das sieht man auch in meinen (alten) Bookhauls. Und auch in meinen Aussortier-Videos.
Heute möchte ich über etwas sprechen, das viele von uns beschäftigt: Überkonsum in der Buchbubble.
Farbschnitte.
Limitierte Sonderausgaben.
Buchboxen.
Monatliche Hauls.
Regalmeter voller ungelesener Bücher.
Mehr, mehr, immer mehr.
Und bevor ich weiterschreibe, ist mir eins ganz wichtig:
Jeder soll sein Leseleben so gestalten, wie es sich gut anfühlt.
Neulich habe ich genau darüber ein Video gemacht. Und die Resonanz war riesig. Die Kommentare waren voll von Menschen, die geschrieben haben: „Mir geht es genauso.“, „Ich fühle mich auch gestresst von meinem SuB.“, „Danke, dass das mal jemand ausspricht.“, „Du hast mir irgendwie die Augen geöffnet, ich schau mal, wie ich es jetzt handhabe”.
Das hat mir gezeigt: Das Thema ist brandaktuell. Und der Austausch darüber ist unglaublich wichtig.
Ich liebe Bücher. Ich liebe schöne Ausgaben. Ich liebe dieses Gefühl, wenn ein Paket ankommt. Dieses „Oh mein Gott, es ist da! Dieses Buch ist so wunderschön!“
Aber vor ein paar Jahren habe ich gemerkt: Ich behalte Bücher, die mich eigentlich nicht mehr interessieren. Ich fühle mich erschlagen von meinem eigenen Stapel ungelesener Bücher. Und Rezensionsexemplare machen wir manchmal Druck, statt Freude. Das heißt nicht, dass ich mich stresse – einfach nur, dass mir aufgefallen ist, dass ich an einem Punkt angekommen bin, mein eigenes Verhalten zu überdenken. Daraufhin habe ich konsequent ein Jahr lang nur meine ungelesenen Bücher gelesen – zack, mein SuB schrumpfte auf 8 Bücher.
Ich verstehe den Reiz total. Wirklich. Farbschnitte sind wunderschön. Limitierte Auflagen fühlen sich besonders an. Buchboxen machen Spaß. Durch den Buchladen zu schlendern und sich etwas auszusuchen, ist für mich eine der schönsten Beschäftigungen, die ich mir vorstellen kann.
Und dann ist da noch dieses Ding mit dem Dopamin.
Kaufen macht kurzfristig glücklich. Dieses Klick-Geräusch beim Bestellen. Die Versandbestätigung. Das Auspacken. Der Geruch eines neuen Buches.
Das ist ein kleiner Glücksrausch.
Aber dieses Gefühl hält nicht lange. Nach ein paar Stunden oder Tagen steht das Buch im Regal. Und dann?
Will ich dieses kurze Hochgefühl – oder will ich dieses tiefe, ruhige Glück, wenn mich eine Geschichte wirklich berührt? Um dann auszuwählen, was ich als nächstes lesen möchte?
Für mich fühlt sich Letzteres nachhaltiger an.
Ich habe nichts verboten. Ich habe keine Regeln aufgestellt wie „nie wieder kaufen“. Aber ich habe ein paar Dinge verändert.
Rezensionsexemplare halte ich sehr klein. Ich nehme von Beginn meiner Bloggerreise nur das an, worauf ich wirklich, wirklich Lust habe. Beziehungsweise achte darauf, ob ich zeitlich ohne Stress schaffe, das Buch wirklich ZEITNAH zu lesen.
Bloggerboxen sage ich in 99 % der Fälle ab. Nicht, weil sie schlecht sind – sondern weil ich sie schlichtweg nicht brauche.
Ich lese erstmal meinen eigenen Stapel. Da stehen so viele Bücher, auf die ich mich irgendwann mal riesig gefreut habe. Dabei entdecke ich regelmäßig Schätze, bei denen ich denke: Wieso habe ich das nicht schon früher gelesen?
Und ganz wichtig: Ich kaufe trotzdem Bücher. Nur bewusster.
Wenn ich meine Regale anschaue, sehe ich jahrelange Entwicklung. Fantasyphasen. Romance-Phasen. Thriller-Phasen. Bücher, die ich heute nicht mehr lesen würde, habe ich inzwischen alle aussortiert und auf die Reise geschickt. Zu Menschen, die es nicht erwarten können, das Buch zu lesen.
Und weißt du was? Das ist okay.
Wir verändern uns. Warum sollten unsere Bücher das nicht auch dürfen?
Dieser Beitrag ist kein „Die Buchbubble konsumiert zu viel“-Rant. Ich verurteile niemanden. Wenn dich Special Editions glücklich machen: Kauf sie. Wenn du Buchboxen liebst: Genieß sie. Wenn dein SuB dich nicht stresst: Perfekt.
Aber für mich fühlt sich weniger und bewusster gerade besser an.
Und das ist mein Weg. Nicht der einzig richtige. Nur meiner.
Alles Liebe
Lieben Dank an dich Lena, dass du diesen sehr interessanten Gastbeitrag zu deiner persönlichen und inspirierenden Sicht zum Thema Überkonsum von Büchern geschrieben hast. Ich denke auch, dass es sehr wichtig ist, für sich selbst den eigenen Weg zu finden, damit gut zurechtzukommen. Ich hoffe, bald wieder mit dir zusammenarbeiten zu dürfen.